An die Spitze vorstossen

 

Die Navigation einer mächtigen Organisation kann sich ausserordentlich kompliziert gestalten. Die Verhaltensweisen auf den einzelnen Organisationsebenen sind verschieden. Sie müssen sich entsprechend anpassen, gleichzeitig aber auch herausragen. Sie können nicht das Gehabe eines Geschäftsführers an den Tag legen, wenn Sie gerade Abteilungsleiter geworden sind.

Wichtig sind auch die politischen Spielregeln der Organisation. Die einen schaffen es, andere kommen nie an die erstrebte Macht. Wer nicht bereit ist, sich in diesem Dschungel zurechtzufinden, sollte ein holzgetäfertes Büro und den Rolls Royce vergessen. Sie würden wahrscheinlich unsicher sein, wenn Sie diese Macht erlangen würden. Ohne die Qualifikation oder das entsprechende Streben entspricht Ihnen eine bescheidenere Position, in der Sie Ihre Talente einsetzen und sich nicht über "Politik" den Kopf zerbrechen müssen, viel besser.

Die Berufung eines Spitzenmanagers ist eine sehr heikle Entscheidung. Nur wenige Organisationen bilden ihren Nachwuchs für Spitzenpositionen selbst heran.

Die Besetzung von Spitzenpositionen aus den eigenen Reihen gilt allgemein als der beste Weg. Die Machthabenden aber widersetzen sich häufig diesen internen Berufungen, weil sie Veränderungen mit sich bringen könnten.

Vorstandsmitglieder stellen zur Wahrung der Interessen Kapitaleigner dar. So manche sind aber nur daran interessiert, auf ihrem Sessel sitzen zu bleiben. Hieraus rührt auch die wütende Verzweiflung, mit der manche überlange Angebote, die eindeutig im Interesse der Anteilseigner liegen, abgelehnt werden. Sie wollen die Macht nicht loslassen und werden sich wohl gegen jeden Wandel stellen. Das gilt besonders, wenn Sie selbst dabei den kürzeren ziehen.

Als Aspirant auf eine Spitzenposition müssen Sie solchen Menschen eine klare politische Aussage zukommen lassen.

Auf der einen Seite müssen Sie als Möglichkeit zum Machterhalt gelten, auf der anderen Seite müssen die Machtinhaber aber auch erkennen, dass mit Ihnen zu rechnen ist.

Vielleicht gibt es in Ihrem Unternehmen ein Verfahren zur Feststellung und Förderung talentierten Führungsnachwuchses. Wer zu dieser "Elite" gehört, geniesst keine Immunität, was die "Politik" angeht. Er ist ihr im Gegenteil noch mehr ausgesetzt. Mit jeder weiteren Sprosse auf der Karriereleiter müssen Sie nicht nur die "Akzeptanzbarriere" überwinden, sondern Sie stehen auch im Wettbewerb, zu Konkurrenten, die nach ähnlichen Positionen streben. Sie müssen also die Unternehmenskultur und ihre Auswirkungen auf die Führungskräfte, besonders auf die Inhaber von Machtpositionen, kennen. Sie dürfen aber auch nicht glauben, allein aufgrund politischer Vorgehensweisen an die Spitze zu gelangen.

Top-Manager haben einen Sinn für die Politik, auch für Leistung.